Geschichte

   

ZUR GESCHICHTE DES MEERBAUM-HAUSES

Die 1898 erbaute Stadtvilla wurde 1950 von den ehemaligen Besitzern, der Familie Hartmann,  der Kaiser-Friedrich-Gedächtnis Gemeinde geschenkt.
Die Gemeinde hatte in diesen Nachkriegsjahren im zerstörten Hansaviertel weder eine Kirche noch ein Gemeindehaus und nutzte das Haus für die Gemeindearbeit.

Im Laufe der vielen Jahre diente das Haus unterschiedlichen Zwecken und Menschen.
Während die oberen Etagen vermietet waren, fand im Erdgeschoss und in den Kellerräumen Gemeindeleben statt.

In den frühen 50er Jahren beherbergten die Räume einen Kindergarten, es lebten hier Studenten und kirchliche Mitarbeiter, wie z.B. der Kirchenmusiker der Gemeinde. Später gab es einen Kinderladen und ab 1973 fand hierdie Jugendarbeit der Gemeinde einen Ort.

Neben dem Ziel, Jugendlichen einen Raum für Gespräche und Begegnungen anzubieten, wurden mit großer ehrenamtlicher Unterstützung Ideen realisiert, die teilweise heute noch Bestand haben und sich großer Beliebtheit erfreuen. Zu nennen ist hier zum Beispiel der Mittagstreff.

Ein Schwerpunkt der Jugendarbeit war in den 80er Jahren der Kontakt zu jüdischen Nachbarn, zur Gemeinde Adass Jisroel, sowie Fahrten nach Polen und Israel. Die Jugendlichen setzten sich aktiv und intensiv mit der deutschen NS-Geschichte auseinander und stießen auf der Suche nach Zeugnissen jüdischer Vergangenheit auch auf die jüdische Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger.

Durch die Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger fanden die Jugendlichen Zugang zu der Gedankenwelt des Mädchens, die in ihrer hoffnungslosen Lage Lyrik voller Lebensfreude schrieb:

„Selmas Gedichte bringen uns dazu, unsere eigene Lage zu überdenken und Mut zu fassen. Sie zeigt uns, dass es wichtig ist, Liebe und Hoffnung zu bewahren.“

Dies ist ein Zitat aus einem Brief an den Gemeindekirchenrat 1987, mit dem eine Umbenennung des Hartmann-Hauses in Meerbaum-Haus beantragt wurde.
Noch im selben Jahr wurde das Haus in „Meerbaum-Haus“ umbenannt und ist in der Region (und darüber hinaus) als solches bekannt.
Das Meerbaum-Haus hat sich im Laufe der Jahre von einem Ort für Jugendliche zu einem "Haus für alle" gewandelt. Willkommen sind Menschen jeder Nationalität, Religion, Herkunft und Altersgruppe. Hier ist Raum für generationenübergreifende Begegnung, Gespräch, Nachbarschaftshilfe, Kultur, Besinnung, Handwerk und mehr.

Seit 2013 ist das Meerbaum-Haus ein Ort, an der Ev. Kitaverband Berlin Mitte-Nord eine Fortbildungsstätte für pädagogische Fachkräfte aufbaut. Auch Kitaeltern können sich in unserem Haus zu Themen, die ihnen am Herzen liegen austauschen und von ExpertInnen Unterstützung in der Beantwortung ihrer Fragen erhalten.
Der Bedarf wird in den Kitas des Verbandes ermittelt.

Nach der Fusion (2016) der Kirchengemeinden Kaiser-Friedrich-Gedächtnis, Heiland, St. Johannis und Erlöser, ist das Meerbaum-Haus Bestandteil der großen Kirchengemeinde Tiergarten.

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