Zur Geschichte und Namensgebung

Das Meerbaum-Haus im Siegmunds Hof 20 ist seit 1973 Zentrum der Jugendarbeit. Es wurde von seinem ehemaligen Besitzer als "Hartmann-Haus der KFG-Gemeinde vermacht. Neben dem wichtigsten Teil der Arbeit, den Jugendlichen Raum zu geben für Gespräche und Begegnungen, werden hier mit großer ehrenamtlicher Hilfe vielfältige Ideen realisiert - als Beispiele: Mittagstisch für alle, Fahrradwerkstatt, Gehörschenke, Asylheimbesuche, Arbeiten auf jüdischen Friedhöfen oder Trödelmärkte für "Brot für die Welt".

Ein besonderer Schwerpunkt sind die Kontakte zu jüdischen Nachbarn und zur Gemeinde Adass Isroel, sowie Fahrten nach Polen und Israel. Die Jugendlichen setzen sich aktiv mit der deutschen Geschichte auseinander; 1987 bekam das Hartmann-Haus daher einen neuen Namen:

"Lange haben wir nach einem Namen gesucht, der mit uns, unseren Gedanken und Träumen etwas zu tun hat. Einige von uns nahmen an Gedenkstättenfahrten nach Polen teil und begegneten auf der Suche nach Zeugnissen jüdischer Vergangenheit den Liebesgedichten der Selma Meerbaum-Eisinger. (...)

Durch ihre Gedichte fanden wir Zugang zu der Gedankenwelt des Mädchens, das trotz ihrer hoffnungslosen Lage voller Lebensfreude und Mut war. Selmas Gedichte bringen uns dazu, unsere eigene Lage zu überdenken und Mut zu fassen. Sie zeigt uns, dass es wichtig ist, Liebe und Hoffnung zu bewahren." (Brief von Jugendlichen an den Gemeindekirchenrat, März 1987).

Selma Meerbaum-Eisinger (rechts), geboren am 15.8.1924 in Czernowitz, starb 1942 im Arbeitslager Michailowska - mit 18 Jahren.
Die Geschichte der Selma Meerbaum-Eisinger als PDF-Datei.

Die Gedichte sind unter dem Titel  "Ich bin in Sehnsucht eingehüllt" im Fischer Verlag (Hrsg. Jürgen Serke) erschienen, als Hörbuch mit Iris Berben bei Hoffmann und Campe sowie als  Musik-CD, vertont vom World Quintet.

Mit der Aufnahme "Du weißt du ..." haben Ana Fonell, Gesang und Johannes Conen, Gitarre, Selmas Gedichte vertont.

 

 

Das Meerbaum-Haus

Um das Meerbaum-Haus kennen zu lernen, empfiehlt es sich, an einem Dienstagmittag vorbeizuschauen. Bei einem köstlichen Mittagessen finden sich von Müttern bis zum Studenten, von der Schülerin bis zur Rentnerin die unterschiedlichsten Menschen zusammen.

Viele sind gern zu einem Plausch bereit und erzählen von ihren Meerbaum-Haus Aktivitäten, sei es von der Fahrradwerkstatt, dem Gottesdienst für junge Familien, dem Frauenfrühstück, den Tanz- oder Jugendgruppen. Oder sie fragen nach dem vielfältigen Programm der Evangelischen Familienbildungsstätte Berlin Stadtmitte, das auch im Meerbaum-Haus angeboten wird: Unter fachlicher Begleitung finden Geburtsvorbereitungskurse, Eltern-Kind-Gruppen, Körperarbeit und Kurse im Gesundheitsbereich statt.

Außerdem gibt es Beratungsangebote zur Kurvermittlung, zu Familienrecht, zu Jugend- und Familienthemen.

Vom Kaminkeller über Garten und Werkstätten bis zum großen Wohnzimmer bietet das Haus viele Moglichkeiten zur Begegnung. Es wird diskutiert, gekocht, gefeiert; in Selbsthilfewerkstätten werden Fahrräder repariert, aus Schrott wird Kunst, aus Blättern werden Bücher. Erziehungs-"Rezepte" werden ausgetauscht, neue Freundschaften geschlossen, gegenseitige Unterstützung wird verabredet.

Mal nachgefragt, was die BesucherInnen mit diesem Haus verbinden, fällt den meisten das Wort "Begegnungsort" ein. Eine junge Mutter z.B., die erst vor kurzem nach Berlin gezogen ist, sagt, sie fühle sich hier geborgen, weil sie Kontakte in der noch fremden Stadt knüpfen und ihr Kind in geschütztem Raum unterwegs sein kann. Viele schätzen, das sie im Meerbaum-Haus die Möglichkeit haben, ihre Ideen einbringen und umsetzen zu können.

Aus BesucherInnen der früheren Jugendgruppen sind Eltern, aus Schülerladenkindern sind Erwachsene geworden. Viele entdecken das Meerbaum-Haus immer wieder neu.

Berlin-BesucherInnen bietet das Meerbaum-Haus Gästezimmer an: Ein afrikanisches, ein Chippendale-, ein blaues und ein Studierzimmer. Ein guter Ausgangspunkt in zentraler Lage zur Erkundung der Stadt!

Zu sagen bleibt: Schaut ins Programm!